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Convento dos Capuchos, Sintra: ein unabhängiger Reiseführer für 2026

Ein Kloster, in den Granit gehauen. Acht Mönche. Steinbetten. Türen so niedrig, dass du dich bücken musst.

Das Convento dos Capuchos ist das seltsamste religiöse Bauwerk Portugals und zugleich das bewegendste. 1560 tief in den Wäldern der Serra de Sintra gegründet, wurde es nicht errichtet, um zu beeindrucken, sondern um zu verschwinden. Die Kapellen und Schlafräume schieben sich zwischen moosbewachsene Felsblöcke. Die Gänge zwängen sich durch Spalten im Fels. Jede Fläche, die etwas Bequemlichkeit hätte bieten können, ist mit Kork verkleidet: die Türen, die Bänke, sogar die Decken. Die Mönche nannten es Armut. Wer heute hindurchgeht, nennt es bemerkenswert.

Die meisten Sintra-Besucher kommen nie hierher. Sie steigen hinauf zu den bemalten Türmen von Pena, stellen sich für die Spiralbrunnen der Quinta da Regaleira an und gehen wieder hinunter zum Bahnhof, noch bevor der Nachmittag vorbei ist. Das Capuchos liegt 4,5 km westlich von alledem, versteckt im Wald am Ende einer kurvigen Straße. Die Stille ist einer der Gründe, warum dir dieser Besuch im Gedächtnis bleibt. Wahrscheinlich hast du ganze Räume für dich allein. Von allen religiösen Stätten, durch die ich in Portugal gelaufen bin, ist dies diejenige, die ich Freunden am häufigsten für ihren Sintra-Besuch ans Herz lege.

Ich erkunde Portugal seit 2001, und nach fünf Jahren in Lissabon mit meiner portugiesischen Frau und unzähligen Ausflügen nach Sintra kenne ich das Capuchos inzwischen zu jeder Jahreszeit. In diesem Reiseführer gebe ich weiter, was ich gelernt habe, damit du die Anfahrt planen, den Besuch in den Rest deines Sintra-Tags einbauen und dich auf den Waldwegen ringsum zurechtfinden kannst.

Höhepunkte des Convento dos Capuchos

Igreja Conventual Convento dos Capuchos Sintra

• Die Igreja Conventual: die Klosterkirche, unter einen riesigen Felsblock geduckt und durch eine niedrige, mit bemalten Fliesen ausgekleidete Vorhalle zu erreichen.

Glockenhof im Convento dos Capuchos, Sintra

• Der Glockenhof: der Eingang zum Kloster, wo die Glocke noch immer zwischen zwei Felsblöcken hängt und der Wald von allen Seiten herandrängt.

Claustro (Kreuzgang) im Convento dos Capuchos, Sintra

• Der Claustro: der Kreuzgang, ein kleines Quadrat aus Gras und Stein mit einem einzigen Brunnen in der Mitte. Der schlichteste Kreuzgang Portugals und der, der dir am meisten über die Mönche verrät, die hier lebten.

Lagoa dos Mosqueiros Sintra

• Lagoa dos Mosqueiros: ein kleiner Waldsee, den du nach einem 15-minütigen Fußweg durch die Hügel hinter dem Kloster erreichst. Nur wenige Besucher gehen bis dorthin.

Mehr über das Convento dos Capuchos

Das Kloster stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde so gebaut, dass es mit der umgebenden Natur im Einklang steht. Die schlichte Gestaltung spiegelt die strenge, fromme Lebensweise der Mönche wider.

Die acht kleinen Schlafräume erinnern verblüffend an Gefängniszellen, mit Steinbetten, bewusst niedrigen Decken, die die Mönche ständig zum Bücken zwangen, und kaum Schutz vor den harten Wintern.

Das einzige Material für Schmuck und Komfort war Kork, weil er sich direkt aus der Natur gewinnen ließ. Er kleidet die Kapelle, die Türen und sogar die Steinbänke aus. Dieser einzigartige und kunstvolle Einsatz von Kork hat dem Convento dos Capuchos den Beinamen „Korkkloster“ eingebracht.

Die kleinen Kapellen, Rückzugsorte, Wohnräume und Küchen sind alle durch schmale, höhlenartige Gänge verbunden, während die Landschaft aus riesigen Felsblöcken und dichtem Wald die harmonische Stimmung verstärkt.

Das Convento dos Capuchos liegt tief in den Wäldern der Serra de Sintra, und die abgelegene Lage der Klosteranlage verschaffte ihren Bewohnern völlige Abgeschiedenheit von der Außenwelt.

Korkverkleidung im Convento dos Capuchos

Kork diente als Dämmung, als Polster auf den Steinbänken und als Schmuck rund um die Türen

Besucherinformationen zum Convento dos Capuchos

Der Eintritt kostet 11 € für Erwachsene und 9 € für Jugendliche (6 bis 17) oder Senioren (über 65). Das Convento dos Capuchos ist täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, letzter Einlass um 17:00 Uhr. Tickets musst du vorab nicht online buchen, denn voll wird es hier nie.

Das Convento dos Capuchos ist keine große Klosteranlage, und das Hauptgebäude lässt sich bequem in einer Stunde ansehen. Dazu kommen noch einmal 30 Minuten, wenn du die Aussichtspunkte mitnimmst.

Vor Ort gibt es saubere, moderne Toiletten und einen sehr kleinen Shop, aber weder Café noch Restaurant. Dafür kannst du dein eigenes Essen mitbringen und an den schön gelegenen Picknickbänken nahe dem Eingang zu Mittag essen.

Gärten des Convento dos Capuchos

Die Mönche versuchten, ihre Nahrung weitgehend selbst anzubauen, und waren fast autark

Anreise zum Convento dos Capuchos

Das Convento dos Capuchos liegt 4,5 km westlich von Sintra bei GPS 38.784, -9.437.

Erreichbar ist es nur über die N247, die südlich des Klosters verläuft und eine 16 km lange, kurvenreiche Fahrt vom Zentrum Sintras bedeutet.

Hinweis: Auf Karten sieht es so aus, als führten Straßen von der N375 (nördlich des Convento dos Capuchos) herüber, doch diese sind für die Öffentlichkeit gesperrt und dienen nur der Waldbrandbekämpfung.

Außerdem übersiehst du die Zufahrt zum Convento dos Capuchos leicht, wenn du von Sintra aus nach Westen fährst, denn sie liegt etwas versteckt:

Vor Ort gibt es einen ordentlichen, kostenlosen Parkplatz.

Ohne Auto ist die Anreise zum Convento dos Capuchos schwierig. Es bleiben nur ein Taxi oder eine Fahrdienst-App (etwa Uber oder Bolt), denn öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht. Eine Taxifahrt ist teuer (25 € bis 30 €), eine Fahrt mit Uber oder Bolt deutlich günstiger (6 € bis 15 €, je nach Nachfrage und verfügbaren Autos).

Das eigentliche Problem ist oft die Rückfahrt nach Sintra, wenn du das Convento dos Capuchos besichtigt hast. Wartende Taxis wirst du hier nie finden, und auf einen Uber oder Bolt kannst du lange warten. Manche Fahrer lehnen die lange Fahrt in die abgelegene Gegend ab, und die Nachfrage nach Fahrten vom und zum Palácio da Pena kann extrem hoch sein.

Wenn du gern wanderst, bietet sich an einem kühleren Tag die Strecke über die Waldwege vom Palácio de Monserrate an. Der Weg ist 2,5 km lang (etwa 35 Minuten) und führt an der Lagoa dos Mosqueiros vorbei. Allerdings sind einige fordernde Anstiege dabei, die in der heißen Sommersonne besonders anstrengend sind. Die Route siehst du hier bei Google Maps.

Für diese Variante kannst du den Bus 435 vom Bahnhof Sintra (3,75 € einfache Fahrt) zum Palácio de Monserrate nehmen und von dort zum Convento dos Capuchos wandern. Wer einen noch längeren Tag einplanen möchte, besucht vormittags Monserrate und nachmittags Capuchos.

Waschräume im Convento dos Capuchos

Das schlichte Bad mit Waschgelegenheit, gespeist von einer natürlichen Quelle

Geschichte des Convento dos Capuchos in Sintra

Das Convento dos Capuchos in Sintra wurde 1560 gegründet; der älteste erhaltene Teil ist die Kapelle Santo António von 1580. 1581 erhielt die Anlage den königlichen Segen von König Philipp II., und im selben Jahr entstand auch die umlaufende Mauer. Im Kloster lebten nie mehr als acht Mönche.

Der berühmteste Mönch des Convento dos Capuchos war Frei Honório. Er verbrachte 15 Jahre in Abgeschiedenheit und Buße, wurde aber 100 Jahre alt. Die gesamte Anlage wurde aufgegeben, nachdem die religiösen Orden in Portugal 1834 aufgelöst worden waren. Wichtige Daten aus der Geschichte des Klosters:
1560: Das Kloster wird auf Anweisung von D. Álvaro de Castro mit acht Mönchen aus dem Kloster von Arrábida gegründet.
1578 bis 1580: Unter der Aufsicht von Kardinal Heinrich entsteht die Kapelle Santo António, und das Kloster erhält eine Schutzmauer.
1580: Der frisch gekrönte spanische König Philipp II., der auch über Portugal herrschte, besucht das Kloster.
1596: Frei Honório, bekannt für sein Leben in Buße und einer der ersten acht Mönche, stirbt.
1610: An der Außenseite der Kapelle Senhor Morto werden Wandmalereien angebracht.
1834: Durch die Auflösung der religiösen Orden wechselt das Kloster den Besitzer und geht an D. António de Saldanha Albuquerque e Castro Ribafria.
1873: Sir Francis Cook, 1. Viscount of Monserrate, erwirbt das Kloster.
1949: Der portugiesische Staat kauft das Gelände und wird damit Eigentümer des Klosters.
1998: Wegen Sicherheitsmängeln und Verfall wird die Anlage für die Öffentlichkeit geschlossen.
2001: Unter der Leitung von Parques de Sintra - Monte da Lua wird das Kloster wieder für Besucher geöffnet.

Höhle von Frei Honório im Convento dos Capuchos

Die Höhle, in der Frei Honório 15 Jahre lang lebte

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Über diesen Reiseführer Ich bin Philip Giddings. Seit 2001 erkunde ich Portugal und schreibe seit 2008 die unabhängigen Reiseführer auf Sintra-Portugal.com. Ich lebe in Lissabon mit meiner portugiesischen Frau Carla, die mich bei einer meiner ersten Reisen ins Land zum ersten Mal mit nach Sintra nahm. Seitdem kehren wir immer wieder dorthin zurück: ob bei sommerlichem Andrang, herbstlichem Nebel oder an den ruhigen Sonntagnachmittagen im Januar. In den fünfundzwanzig Jahren unserer Besuche hat sich die Region stark verändert, und wir haben diese Entwicklung miterlebt.

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